Gibt es im Gemäuer der früheren Bleihütte in Ramsbeck noch Relikte des „Sauerländischen Kalifornien“, als der Bergbau in den 1850-er Jahren boomte? Etwa in Form von bislang verborgenen Blei- oder Zinköfen?

Dass in der Geschichte des Ramsbecker Bergbaus jede Menge offener Fragen bestehen, weiß Dr. Sven-Hinrich Siemers, Leiter des Sauerländer Besucherbergwerks, nur zu genau. Bei der Klärung bekam er jetzt „Schützenhilfe“ von zehn Studierenden. Gemeinsam mit ihrem Projektleiter Dr. Peter Haupt waren sie eine Woche lang für Praxisarbeiten in Ramsbeck zu Besuch.

Die angehenden Archäologen absolvieren ihre Studien an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, der Uni Hamburg sowie an der Technischen Universität Clausthal. In Ramsbeck hatten sie nun die Möglichkeit, erworbenes Wissen in der Praxis anzuwenden - „und wir haben das große Glück, spannende Themen anzubieten“, so Museumsleiter Siemers. Über die gemeinsame wissenschaftliche Tätigkeit mit Ehefrau Dr. Ines Klenner und dem Studienkollegen Peter Haupt entstanden die Projektideen - zum einen eine Vermessung des Venetianerstollens, zum anderen eine Untersuchung der früheren Bleihütte. Dabei kam auch ein hochmoderner Laser-Scanner zum Einsatz, der das Mauerwerk des historischen Gebäudes genauestens erfasst.

 Gruppenbild mit Fördergerüst

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Gruppenbild mit Fördergerüst - und Laserscanner: Zehn Studierende waren für Praxisarbeiten eine Woche lang am Sauerländer Besucherbergwerk zu Gast.

Bildnachweis: Gemeinde Bestwig

Die Resultate der gemeinsamen Arbeit können nun zur Basis für weitere Projekte werden - im Fall der Bleihütte zum Beispiel zur Grundlage für eine detaillierte Sanierungsplanung. Und vom Venetianerstollen soll einmal ein dreidimensionales Bild entstehen. Die Bergbaugeschichte im Sauerland sei überaus interessant, bekennt Peter Haupt: „Es hat hier sehr früh angefangen.“ Die erste Frage des Wissenschaftlers sei ohnehin stets die nach der Datierung, so der Archäologe: „Man muss Puzzlestück um Puzzlestück zusammenfügen.“ Dabei helfen die C14-Methode, bei der das Alter anhand des Zustands von Kohlenstoffatomen ermittelt wird, oder die Dendrochronologie. Dabei werden die Jahresringe von Bäumen mit einer bestimmten Wachstumszeit in Verbindung gebracht - Peter Haupt: „Unter Umständen kann man damit bis auf ein halbes Jahr genau das Alter feststellen.“

In Ramsbeck sei die Erforschung der Bergbaugeschichte „in den vergangenen Jahrzehnten sehr kompetent angegangen worden“, lobt der Wissenschaftler. Das Bergbaumuseum sei dabei ein „Dreh- und Angelpunkt“ zwischen wissenschaftlicher Erfassung und Heimatforschung: „Auch darüber kann es wichtige Erkenntnisse und Ansätze geben.“

Für die Studierenden beginnt ab der kommenden Woche wieder der Alltag an ihren Universitäten - fernab vom Ramsbecker Bergbau, aber auch fernab vom Sauerländer Regen, der zur „unliebsamen Bekanntschaft“ wurde. Was als Ergebnis ihrer Arbeit bleibt, sind weitere „Puzzlestückchen“, die die Montan-Geschichte der Region nun ergänzen. Weitere werden folgen, weiß auch Ines Klenner: „Es ist so vielfältig hier, dass es eine jahrelange Beschäftigung ist, die Entstehung der Kulturlandschaft nachzuvollziehen.“