Ramsbeck. Die ersten 100 Tage sind wie im Fluge vergangen. „Unglaublich viele neue Eindrücke, alles sehr aufregend und spannend“, strahlt Friederica Ihling. Seit dem 1. Februar leitet die 35-Jährige das Sauerländer Besucherbergwerk in Ramsbeck. Voller Elan hat sie sich an die neue Aufgabe gemacht.

 

Ihr erstes Fazit fällt äußerst positiv aus. Den Charme und die Stärken unter und über Tage will sie unbedingt erhalten – und noch besser zur Geltung bringen: „Ich sehe hier ein großes Potenzial, das es voll auszuschöpfen gilt. Man muss den Rohdiamanten so schleifen, dass er funkelt.“

 

Der Unterschied zu ihrer bisherigen Stelle im ZeppelinMuseum in Friedrichshafen am Bodensee ist groß: „Die Strukturen, das Umfeld und die Abläufe sind anders.“ Das Team des Museums hat sie sehr gut aufgenommen: „Ich bekomme unglaublich viel Unterstützung“, berichtet sie, „wenn wir ein Problem haben, denke immer Viele mit an einer Lösung.“ Auch von vielen anderen wie dem Förderverein, den Touristikern und den Museumskollegen in der Region sei sie mit offenen Armen empfangen worden: „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man nicht mit allem allein ist.“

 

Hundert Tage Friederica Ihling

 

 

Neu ist für Friederica Ihling auch als Kind des Ruhrgebiets das Thema Bergbau: „Mit den Inhalten muss ich mich erst vertraut machen.“ Um sich „tief in die Materie einzuarbeiten“, schätzt sie neben viel Lektüre auch, dass sie „viel mit Leuten sprechen kann, die sich auskennen“. An ihre vorherigen Erfahrungen kann sie jedoch „bei vielen Museumsstandards“ anknüpfen: „Wie präsentiere ich eine Ausstellung, wie pflege ich den Bestand – das ist unabhängig vom Thema überall ähnlich.“

 

Auch, dass sie nun für „das ganze Feld der Museumsarbeit“ zuständig ist, ist neu: „Mit Finanzen oder Personal hatte ich vorher zum Beispiel nichts zu tun. Es gibt viele neue Aufgabenfelder für mich.“ Aber genau das habe sie an der neuen Aufgabe in Ramsbeck gereizt, betont Friederica Ihling. Ein wenig Bergmanns-Vokabular fließt schon wie selbstverständlich ins Gespräch ein. Sie will nicht nur am Schreibtisch sitzen: „Wenn man eine Geschichte erzählen will, muss man die Geschichte ja kennen.“ Neue Themenbereiche zu erschließen, sei das, „was mir an meiner Arbeit so viel Spaß macht“, erzählt die Historikerin.

 

Im Bereich der Vermittlung von Bergbaugeschichte möchte sie das Sauerländer Besucherbergwerk „noch besser machen“. Dank einer halben Stelle für Museumspädagogik, die zum 1. Mai geschaffen wurde, sollen künftig verstärkt für Schulklassen oder Kindergärten Themenführungen und Workshops angeboten werden. Ein Konzept für Kindergeburtstage und Grundschüler ist bereits so gut wie fertig. Nach und nach sollen weitere Programme entwickelt werden: „Da hat das Haus unheimlich viel Potenzial“, sagt die 35-Jährige. Wichtig sei, bei Schulen und Kindergärten deutlich zu machen: „Hier kann man einen runden Tag haben. Man kann Spaß haben und zugleich etwas lernen.“ Derzeit ist sie dabei, ein Netzwerk aufzubauen, mögliche Kooperationspartner kennenzulernen.

 

In den ersten 100 Tagen hat sie viele Informationen und Eindrücke gesammelt: „Jetzt bin ich dabei, das alles zu strukturieren.“ Dabei will sie Prioritäten setzen: „Man muss achtgeben, dass man sich nicht verzettelt und zu viele Baustellen aufreißt. Man kann ja nicht mit tausend Bällen gleichzeitig jonglieren.“ Einen wichtigen Baustein hat sie sich schon vorgenommen: „Der Bereich Bildung und Vermittlung ist mir ein Anliegen.“ Ein Beispiel: Einen Audio-Guide für den Unter-Tage-Bereich auf Niederländisch und Englisch hält sie für notwendig, um auch den vielen ausländischen Gästen während der Führungen mehr Informationen zu vermitteln. 

 

Bei allen Schritten legt sie viel Wert auf Teamarbeit im Museum: „Das ist ja nicht mein Museum, sondern unseres.“ Viel Kommunikation sei intern gefragt, um Ideen zu sammeln und Baustellen abzufragen: „Ich bin eher ein Teamplayer als eine Einzelkämpferin.“ Noch stärker verankern möchte sie das Sauerländer Besucherbergwerk in Ramsbeck: „Die Menschen sollen erleben, dass im Museum die Geschichte ihres Ortes gepflegt wird.“

 

Die größte Stärke sieht sie im Unter-Tage-Bereich: „Hier kann man an einem authentischen Ort Bergbaugeschichte mit allen Sinnen erleben. Da muss ich keine Kulisse aus Pappmachée nachbauen. Das riecht anders, es tropft, man taucht in eine komplett andere Welt ein. Das hat etwas Aufregendes“, schwärmt die gebürtige Wittenerin. Mit diesem Pfund kann sie wuchern: „Ich möchte das Unter-Tage-Erlebnis noch besser mit dem Museum über Tage verzahnen.“ Das Museum solle nicht nur „eine Wartehalle für die Grubeneinfahrt“ sein, sondern mit verschiedenen Medien, Filmen und Texten „ein bisschen runder“ gemacht werden, damit man den Unter-Tage-Bereich noch besser verstehen könne.