Ramsbeck. Sie sieht aus wie eine Schubkarre, ist aber sehr alt und wird gerade mit viel Aufwand konserviert und restauriert: Eine Kreuzkarre, die früher unter Tage zum Transport von abgebautem Erzmaterial vom Abbauort durch die Stollen zum Ausgang eingesetzt wurde, soll künftig die Dauerausstellung im Sauerländer Besucherbergwerk in Ramsbeck bereichern.

Die Kreuzkarre stammt aus einem Querschlag am Valmestollen im Bastenberg in Ramsbeck. Der liegt etwa 18 Meter unterhalb des Josephus-Stollens an der Hütte Alwine. Ob sie auch dort benutzt worden ist oder ob man sie nur dort abgelegt hat, weil sie woanders störte, ist unbekannt. Vermutlich stammt sie aus dem 19. Jahrhundert. Vielleicht ist sie sogar etwas älter. Schubkarren lassen sich in Mitteleuropa seit dem Ende des 12. Jahrhunderts nachweisen, wurden jedoch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts noch in vielen Bergwerken eingesetzt. Die Kreuzkarre wurde wohl mit Gurten, die ein Mann über das Kreuz geführt hatte, angehoben. Die Hände dienten nur dazu, die Karre vor dem Umkippen zu bewahren.

2013 konnte die Kreuzkarre von Mitarbeitern der Sachtleben Bergbau und dem damaligen Museumsmitarbeiter Peter Penkert geborgen worden, bevor der Stollen-Bereich verfüllt wurde. Nach der Bergung musste sie sehr schnell in die Konservierungswerkstatt gebracht werden, um einen weiteren Zerfall zu verhindern.

 

Kreuzkarre

Bild: Die Kreuzkarre stammt vermutlich aus dem 19. Jahrhundert und wird derzeit aufwändig konserviert. Foto: Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, Archäologische Zentralwerkstatt

Restauriert wird das Transportmittel seit 2013 in der Archäologischen Zentralwerkstatt Schloß Gottorf in Schleswig. Dies ist nötig, um den weiteren Zerfall der Holzteile sowie der Eisenbeschläge zu stoppen. Nur dann kann man die Karre nachher langfristig ausstellen. „Durch die moderne Technik, die in Schleswig verwendet wird, können wir die Kreuzkarre später ohne teure Klimaanlagen im Museum präsentieren“, erläutert Museumsleiter Dr. Sven-Hinrich Siemers.

Das Verfahren ist aufwändig und langwierig. Der erste Schritt zur Konservierung: Die Kreuzkarre wurde in ein Tränkbad mit Polyethylenglykol gelegt. Derzeit wird das Fahrzeug schockgefroren. Erst wird es gekühlt und dann auf -20 Grad Celsius gefroren. Anschließend wird das künftige Museumsexponat mehrere Monate unter Vakuum gefriertrocknet. Zum Abschluss muss das Holz nachgereinigt werden. Das Metall wird nachgearbeitet. Schließlich wird die gesamte Karre mit einem Schutzlack versehen. Teile des Rades waren schon so zerfallen, dass sie nach der Restaurierung vorsichtig ergänzt werden müssen.

Dr. Sven-Hinrich Siemers ist zuversichtlich: „Wenn alles wie geplant klappt, können wir die Erzkarre noch in diesem Jahr in Schleswig abholen.“ Die Kreuzkarre wird in der Großvitrine in der Kaue präsentiert werden. Dort kann schon jetzt anschaulich der Weg von der einfachen Erztrage über die ersten Hunte – also Transportwagen mit Rädern – bis zu den modernen Voll-Eisen-Hunten gesehen werden. Die Kreuzkarre ist der Zwischenschritt von der Trage, für die man zwei starke Bergleute brauchte, zum schienengebundenen Hunt. Durch das Rad der Erz-Schubkarre war nur noch eine kräftige Person zum Erztransport notwendig.